Der Film wiederholt sich
Ich kannte ihn gut. Dieses Ziehen in der Brust gegen drei Uhr morgens. Nicht das kreative Adrenalin, von dem man gern erzählt. Nein. Das dumpfe Gefühl, wieder denselben Film zu drehen. Gleiche Ängste. Gleiche Selbstzweifel. Gleiche Flucht in irgendetwas — Arbeit, Musik, das nächste Projekt, das nächste Ding, das mir sagen sollte, wer ich bin.
Ich nannte das lange „Intuition" oder „Trieb". Tatsächlich war es ein Cycle. Ein geschlossener Kreis aus Mustern, die mein Nervensystem vor Jahren als Überlebensstrategie abgespeichert hatte. Als ich das zum ersten Mal wirklich sah — nicht theoretisch, sondern mitten in einer Nacht auf dem Küchenboden — war das kein Erleuchtungsmoment. Das war unbequem.
Weil Stillstand, selbst der schmerzhafte, bekannt ist. Und Bekanntheit täuscht uns vor, sie wäre Sicherheit.
Die Rolle, die ich spielte
Hier ist etwas, das ich erst verstanden habe, als ich anfing, überhaupt hinzuschauen: Mein Selbstwert war kein Fundament. Er war ein Thermometer, das ständig an der Außenwand hing. Wie viel erreicht? Wie sichtbar? Wie nützlich für andere? Wenn die Zahlen stimmten, atmete ich durch. Wenn nicht — was meistens der Fall war, weil der Punkt immer weiter wanderte — zog ich mich zurück und fragte mich, was falsch mit mir ist.
Das ist der Trick am Cycle: Er gibt dir eine Rolle. Bei mir war es der Macher, der Kreative, der, der irgendwie immer eine Antwort parat hat. Tau Scorpii, AEVUM, GTS — die Projekte sind echt, die Musik ist echt. Aber die Stille dazwischen? Die, in der ich nichts bin außer mir selbst? Die konnte ich nicht aushalten.
Also rannte ich. Nicht immer physisch. Manchmal reicht ein endloser Feed, eine hyperproduktive Woche, eine Playlist, die nicht aufhört. Hauptsache kein Raum, in dem das Unfertige atmen kann.
Angst trägt Anzug
Angst hat bei mir nie wie ein Monster ausgesehen. Sie sah aus wie Vernunft. „Noch nicht." „Du brauchst mehr Daten." „Was werden sie denken?" Sie flüsterte in der dritten Person, als wäre sie ein Freund, der mich schützen will.
Ich habe gelernt: Angst ist kein Feind. Aber sie ist auch keine Weisheit. Sie ist ein Wächter an einer Tür, hinter der sich etwas befindet, das ich einmal nicht verarbeiten konnte. Und solange ich nicht durchgehe, bleibt der Wächter stehen. Wird älter. Wird müder. Aber er geht nicht weg.
Der Cycle bricht sich nicht, indem man die Angst besiegt. Das ist Cinema. In Wahrheit bricht er sich in Momenten, die so klein sind, dass sie sich nicht lohnen, sie zu posten. Der Moment, in dem ich den Laptop zuklappe, obwohl noch drei Mails warten. Der Moment, in dem ich „Nein" sage, ohne zu erklären, warum. Der Moment, in dem ich mir eingestehe, dass ich heute nichts Leistbares in mich hineinbekomme — und trotzdem existiere.
Was sich wirklich änderte
Der größte Wandel war keiner, den man sehen konnte. Er war kein Launch, kein neues System, kein „Ich habe mein Leben geändert"-Post. Es war das Gefühl, unter meiner eigenen Haut nicht mehr wegzumüssen.
Ich habe gemerkt, dass Schaffen nicht nur Heilung ist, sondern manchmal auch Ablenkung. Und dass echtes Schaffen — das, was bei AEVUM oder in meiner Musik entsteht — nur dann Substanz hat, wenn es aus einem Ort kommt, an dem ich ehrlich genug bin, auch mal stehenzubleiben. Nicht als Guru. Nicht als Produkt. Als Mensch.
Es gibt Tage, an denen ich zurückfalle. Das ist nicht romantisch. Dann sitze ich wieder da, taste das alte Muster ab und merke, wie verlockend es ist, hineinzuschlüpfen wie in einen zu engen, aber vertrauten Pullover. Aber der Unterschied ist: Ich merke es jetzt. Früher war ich der Film. Heute bin ich manchmal der Zuschauer. Und manchmal — nicht immer, aber öfter als früher — der Regisseur.
Kein Happy End, nur die nächste ehrliche Sekunde
Ich kann niemandem sagen, wie er seinen Cycle bricht. Das wäre gelogen und unfair. Aber ich kann erzählen, was bei mir half: Aufhören, mich selbst zu beobachten, als müsste der Beweis für meine Wertigkeit irgendwo auftauchen. Aufhören, die Angst als Planungsinstrument zu missbrauchen. Und anfangen, die kleinen Abweichungen zu würdigen. Die Tage, an denen ich anders handle als mein Software-Update vorsieht.
Wenn du das hier liest und dich irgendwo wiedererkennst — vielleicht in der Reizflut, vielleicht in der Stille danach — dann weißt du schon, dass der Cycle nicht mit einer großen Geste endet. Er endet mit der nächsten ehrlichen Sekunde.
Und die kostet mehr als jede Performance.
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